Vom Abschwung zur Stabilisierung: Europas Märkte im Übergang

Laut der von Interconnection Consulting veröffentlichten Studie hat der europäische Markt für Sanitärrohre und -armaturen zwischen 2023 und 2025 eine außergewöhnlich herausfordernde Phase durchlaufen. Während die anhaltende Abschwächung des Bausektors einen zentralen Treiber darstellt, lassen sich die Marktentwicklungen nicht allein auf die Bautätigkeit zurückführen. In ganz Europa haben länderspezifische geopolitische Spannungen, makroökonomische Unsicherheiten sowie divergierende politische Rahmenbedingungen die Investitionsentscheidungen und das Marktvertrauen zusätzlich belastet. Darüber hinaus haben staatlich geförderte Renovierungsprogramme sowie die Verschiebung von Bauprojekten die traditionell stabile Beziehung zwischen Bautätigkeit und Nachfrage nach Sanitärrohren und -armaturen gestört, was zu einem deutlich weniger vorhersehbaren Marktumfeld geführt hat.

In den Top-20-Ländern Europas erreichten die Verkäufe im Jahr 2024 rund 2,01 Milliarden Meter Sanitärrohre sowie 1,50 Milliarden Einheiten Sanitärarmaturen. Die Gesamtsituation des Marktes bleibt auch 2025 herausfordernd, wenngleich sich das Tempo des Rückgangs im Vergleich zu 2024 voraussichtlich abschwächen wird. Aktuelle Schätzungen gehen von einem Mengenrückgang von etwa -5,1 % bei Sanitärrohren und -5,7 % bei Sanitärarmaturen aus. Trotz dieses kurzfristigen Drucks zeigen die mittelfristigen Aussichten jedoch Anzeichen einer Stabilisierung.

Unterschiedliche Entwicklungen in Europas größten Märkten

Der europäische Markt für Sanitärrohre und -armaturen wird von Deutschland angeführt, gefolgt vom Vereinigten Königreich, Polen, Frankreich und Russland. Obwohl diese Länder jeweils von unterschiedlichen internen Faktoren beeinflusst werden, die Angebot und Nachfrage prägen, fungieren sie aufgrund ihres hohen Marktgewichts als Trendsetter für den gesamteuropäischen Markt. Zusammengenommen vereinen diese fünf Länder 61 % des gesamten Marktanteils, was ihren überproportionalen Einfluss auf die Marktdynamik unterstreicht.

Trotz dieser gemeinsamen Bedeutung bestehen jedoch erhebliche Unterschiede: Ungleichmäßige Infrastrukturinvestitionen, schwankende Energiekosten und länderspezifische regulatorische Änderungen führen zu kontrastierenden Marktentwicklungen. Diese Divergenz verdeutlicht, dass ein „One-Size-Fits-All“-Ansatz nicht mehr angemessen ist und Strategien gezielt an die spezifischen Dynamiken, Risikoprofile und Wachstumspotenziale der einzelnen Märkte angepasst werden müssen.

Strukturelle Unterschiede: Nordische Märkte im Vergleich zum restlichen Europa

Die nordischen Länder weisen eine deutlich andere Entwicklung auf als andere europäische Märkte. Im Jahr 2024 verzeichnete die skandinavische Region die stärksten Rückgänge unter den Top-20-Ländern Europas, wobei Finnland mit einem Rückgang von rund -42,5 % die stärkste Kontraktion aufwies und damit das schwächste Marktjahr verzeichnete. Norwegen erlitt zwar einen geringeren Rückgang, registrierte jedoch ebenfalls den stärksten Einbruch der letzten Jahre.

Diese negativen Entwicklungen sind in erster Linie auf eine deutliche Abschwächung der Investitionen im Bausektor sowie auf einen Rückgang der Baugenehmigungen zurückzuführen, insbesondere im Wohnungsbau. Einflussfaktoren sind hierbei die Normalisierung der Bautätigkeit nach der Pandemie sowie nationale Wohnungspolitiken. Gleichzeitig spielten auch die hohen Zinssätze eine bedeutende Rolle. Trotz unterschiedlicher Ausprägung verdeutlicht der gemeinsame Trend die hohe Sensitivität der Nachfrage nach Sanitärrohren und -armaturen gegenüber strukturellen Veränderungen in der Bautätigkeit und in politischen Rahmenbedingungen und unterstreicht die heterogene Entwicklung der europäischen Märkte.

Anwendungen und Materialien: Von Standardlösungen hin zu Systemdenken

Der europäische Markt für Sanitärrohre und -armaturen weist im Jahr 2025 moderate Schwankungen innerhalb seiner drei Hauptanwendungssegmente auf. Warm- und Kaltwasserinstallationen behaupten mit einem Marktanteil von 39,7 % ihre führende Position, werden jedoch zunehmend von Flächenheiz- und -kühlsystemen herausgefordert, die an Bedeutung gewinnen und ab 2026 voraussichtlich den ersten Platz in Bezug auf den mengenmäßigen Marktanteil einnehmen werden. Heizkörperanschlussrohre bleiben das kleinste Segment. In den nordischen Ländern dominieren Flächenheiz- und -kühlsysteme weiterhin aufgrund historischer Adoptionsmuster, energieeffizienter Prioritäten und spezifischer Baupraktiken.

Materialseitig bleibt Kunststoff in ganz Europa das dominierende Rohrmaterial, geschätzt für seine Kosteneffizienz, sein geringes Gewicht, die einfache Installation und seine chemische Beständigkeit. Bei Armaturen hingegen führen Mehrschichtlösungen den Markt an und erreichen laut Interconnection-Daten im Jahr 2025 einen geschätzten Marktanteil von 32,5 %. Diese Mehrschichtarmaturen kombinieren die Vorteile von Polymeren – Flexibilität und Ungiftigkeit – mit jenen von Metallen wie Druck- und Temperaturbeständigkeit sowie Dimensionsstabilität. Dadurch wird eine optimale Leistungsfähigkeit und erhöhte Langlebigkeit erzielt, insbesondere in komplexen Systemen. Die Materialwahl ist eng mit dem jeweiligen Anwendungsbereich verknüpft und wird sich laut Branchenexperten in den kommenden Jahren zunehmend zugunsten klimafreundlicher Technologien entwickeln.

Ausblick: Eine schrittweise Neuausrichtung statt einer schnellen Erholung

Der europäische Markt für Sanitärrohre und -armaturen dürfte sich in den kommenden Jahren stabilisieren, wobei 2025 voraussichtlich das Ende des dreijährigen Negativtrends in den meisten Ländern markiert. Mit Blick nach vorn erscheint die Zukunft vielversprechend, und der Markt dürfte sich schrittweise erholen. Interconnection prognostiziert für den Zeitraum von 2025 bis 2028 eine durchschnittliche jährliche Wachstumsrate (CAGR) von 5 %, was eine stetige Erholung der Nachfrage in ganz Europa widerspiegelt.

Ab 2027 wird eine Phase einer stärkeren kurzfristigen Erholung erwartet, getragen von erneuten Investitionen in die Infrastruktur sowie einer nachhaltigen Expansion sowohl im Bau- als auch im Industriesektor. Insgesamt deutet der Ausblick auf ein günstiges Marktumfeld hin, das durch stabile und wachsende Nachfrage, eine zunehmende Präferenz für leistungsstarke und nachhaltige Materialien sowie die fortgesetzte Verbreitung systemorientierter Lösungen gekennzeichnet ist.

Link zur Studie

22/01/2026

Copyright: Interconnection, Honorarfrei zur Veröffentlichung im Rahmen der Berichterstattung über die erwähnte Studie und IC Consulting.

Allison Carranza

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Allison Carranza hat ihre Karriere als Market Analyst in verschiedenen Branchen aufgebaut, darunter Kunststoffmaschinen, Fassadenfarben, Recruitment, Akustikdecken, Fertighäuser und Kunstversicherungen. Sie verfügt über fundierte Erfahrung in der Entwicklung von Marktprognosemodellen und der Aufbereitung komplexer Daten zu umsetzbaren Erkenntnissen. Internationale Kunden schätzen neben ihrer analytischen Kompetenz auch ihre Sprachkenntnisse in Englisch, Italienisch und Spanisch. Sie hat Wirtschaftswissenschaften und Kulturökonomie in Rom studiert und kürzlich ein Business-Analytics-Zertifikat an der Harvard Business School Online abgeschlossen, wodurch sie ihre analytischen und strategischen Fähigkeiten weiter vertieft hat.

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Die IC Studien geben einen sehr gut strukturierten Überblick über den westeuropäischen Büromöbelmarkt. Die Daten sind hilfreich um Marktentwicklungen und Treiber besser zu verstehen.

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